Mittwoch, 01. März 2017

 

Beide Unterkünfte werden geschlossen

Der Landkreis beendet im Sommer das Mietverhältnis für das Friedrichshaus und die ehemalige Hochschwarzwaldklinik in St. Blasien.

 

 

 

 

ST. BLASIEN. Die beiden Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, die der Landkreis Waldshut in St. Blasien betreibt, werden bis zum Sommer geschlossen. Jeweils zum Ende Mai und zu Ende Juli hat die Behörde die Mietverträge gekündigt – schon davor müssen die Bewohner ausziehen.

"Seit April letzten Jahres werden dem Landkreis nur noch wenige Asylbewerber von der Landeserstaufnahmeeinrichtung zur Unterbringung zugewiesen. Die Zuweisungszahlen bewegen sich seitdem im ein- bis zweistelligen Bereich. Dementsprechend hat sich die Zahl der durch den Landkreis unterzubringenden Menschen verringert. Dies führt dazu, dass wir in unseren Gemeinschaftsunterkünften über ungenutzte Plätze verfügen", antwortete der Pressesprecher des Landkreises, Jürgen Glocker, auf eine Anfrage der Badischen Zeitung. Die Entwicklung der Flüchtlingszahlen habe bereits dazu geführt, dass schon im vergangenen Jahr die Containerunterkunft in Albbruck geschlossen und abgebaut worden sei. Nun müssten die Kapazitäten in Gemeinschaftsunterkünften weiter verringert werden.

Die Mietverträge mit dem Eigentümer der Gebäude lassen eine Kündigung jeweils zu Ende Mai und Ende Juli zu. Der Leerstände in den Gemeinschaftsunterkünften wegen müsse die Nutzung zu den Zeitpunkten auch wirklich aufgeben werden.

"Die jetzt dort lebenden Menschen werden in andere Gemeinschaftsunterkünfte umziehen müssen oder, soweit sie über eine Anerkennung verfügen, durch Gemeinden anschlussuntergebracht werden. Wo das dann sein wird, können wir derzeit noch nicht sagen, weil wir dies heute, drei Monate vor Ende des ersten Vertrages, noch nicht im Detail geplant haben", schreibt Glocker.

Die Entscheidung, die beiden Gemeinschaftsunterkünfte zu schließen, sei falsch, sagte Jörg Rudolf vom Helferkreis Asyl in St. Blasien der Badischen Zeitung. Derzeit leben in der Unterkunft auch einige Kinder mit Behinderungen, andere benötigen Schulbegleitung – jeweils leisten Ehrenamtliche Hilfe.

Viele Kinder seien gut im Kindergarten oder in der Schule aufgehoben, etliche gut integrierte Familien, die aber noch keine Anerkennung haben, müssen wohl schon in einem Monat die Gemeinschaftsunterkunft verlassen. In der kurzen Zeit könne man keine vertretbare Lösung finden, fürchtet Rudolf. "Es sind entwurzelte Menschen, die nun wieder entwurzelt werden", fügte Rudolf an. Seine Kritik an der Entscheidung des Landkreises fällt deutlich aus: "Das Wort Integration war bei der Entscheidung nicht so wichtig."

Mit der Schließung der Gemeinschaftsunterkünfte werde der Helferkreis Asyl aber nicht überflüssig. Schließlich müsse die Stadt dann für etliche Personen eine Anschlussunterbringung organisieren – Menschen müssten also weiterhin begleitet werden, sagte Rudolf.

Die Bewohner müssen seiner Information nach die Unterkunft schon bald verlassen, damit der Landkreis verschiedene Rückbauten vornehmen kann.

Für die Stadt seien die beiden Gemeinschaftsunterkünfte eine gute Sache gewesen, sagte Bürgermeister Rainer Fritz der BZ, um Anschlussunterbringungen habe sich die Stadt bisher nur in Einzelfällen kümmern müssen. Oft habe der Helferkreis für die Menschen eine Wohnung gesucht, die hier bleiben wollten.

Klar ist, dass die Stadt die Pflicht hat, für Anschlussunterbringungen zu sorgen – die genaue Zahl wisse er derzeit noch nicht. Circa 20 anerkannte Flüchtlinge leben bereits in eigenen Wohnungen in St. Blasien. Natürlich wolle sich die Stadtverwaltung bemühen, dass Familien, die bereits soziale Kontakte geknüpft haben und gerne hier bleiben wollen, auch eine Wohnung in der Domstadt erhalten. Damit Menschen nicht noch in eine andere Gemeinschaftsunterkunft ziehen müssen, bevor sie möglicherweise in St. Blasien eine Wohnung erhalten, wäre eine Übergangslösung in den bisherigen Gemeinschaftsunterkünften gut. Ob das möglich sein wird, ist noch nicht geklärt, sagte Fritz.

Auf alle Fälle werde die Stadt nicht die beiden Gebäude mieten, um dort Wohnungen für Anschlussunterbringungen zu schaffen, denn die gewünschte Integration könne dort kaum gelingen. Das sei nur in der Fläche möglich, seien sich alle Beteiligten einig. Natürlich ist die Betreuung in den beiden Gebäuden einfacher, weiß Fritz, jetzt müsse man Lösungen beispielsweise für den Deutschunterricht an anderer Stelle finden.

Das Friedrichshaus hatte der Landkreis Waldshut im Jahr 2013 angemietet, die ersten Bewohner zogen im August ein. Die zweite Unterkunft für Flüchtlinge, die gegenüberliegende ehemalige Hochschwarzwaldklinik, eröffnete der Landkreis im Herbst 2015.