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gabriele weis /  

wo die vorstellung fehlt, fehlt auch der mut 

 

auszug aus einer meiner forums-antworten:

 

hallo melanie,

 

ich bin unruhig wie Du und viele über dem aktuell kriegerischen weg, den die staaten unserer hemisphäre da einmal mehr zu gehen begonnen haben - er bedeutet für unzählige menschen unsägliches elend. und selbst wenn er ´gut´ geht, die ´guten´ also die ´bösen´ bezwungen haben werden, wird ein berg von leichen und an leib und seele versehrten das fundament für die neue freiheit der überlebenden zu bilden haben...

wem krampfte sich darüber nicht das herz zusammen!

 

(...)

gegangen wird der weg der gewalttätigkeit auf beiden seiten, weil man auf beiden seiten keine bzw. nur allzu schwache alternativen sieht oder sehen zu müssen, ja zu dürfen glaubt...

da ist, denke ich, nirgendwo irgendetwas teuflisches oder unergründliches im spiel.  da sind einfach menschen an ihren grenzen  und handeln entsprechend grenzwertig  -  ein jeder gemäß seinen horizonten mit durchaus verständlichen und irgendwo immer auch irgendwie guten absichten neben so manchen niedrigen.  und immer verstecken sie dabei ihre gleichzeitigen niedrigen absichten vor sich selbst, vor ihresgleichen und vor ihren gegnern, denn als mörder begreift sich keiner von ihnen. und es ist ja auch keiner von ihnen einfach nur mörder.

hilflose zuschläger sind sie allesamt ab dem moment, wo sie auf ihre angst voreinander ohne die antwort entschlossensten kampfesmutes nicht antworten zu dürfen glauben.

daß das nicht die einzige antwortschiene ist, auf der sie sich bewegen, eröffnet ihnen wie uns allen neben all dem grauen, in dem sie stecken und das sie wechselseitig anrichten, immerhin wichtige bewegungsspielräume für die bearbeitung der grundprobleme, um die es eigentlich geht.

denn gottseidank ist es in den letzten wochen doch offenbar in eine wachsende zahl von köpfen und herzen gedrungen, daß der gegenwärtige globalterror auch eine ganze menge mit unrechtsstrukturen zu tun hat, an deren entstehung und fortbestand die ´zivilisierte welt´ nicht eben geringen anteil hat.  und auch für eine milderung der augenblicklichen kriegsfolgen für die afghanen aktivieren sich erfreulicherweise menschen und institutionen auf ganz vielen ebenen.

ein jedes hat nun einmal seine zeit.  alle religionen und viele philosophien wissen um einen grundlegend anderen weg. wohl kaum ein mensch, der nicht in irgendeinem winkel seiner seele von ihm träumte oder ihn in zahllosen fällen gar bereits selbst gegangen wäre...

das wagnis, diesen traum auch zu leben, erscheint offenbar den meisten gerade in zeiten existentieller bedrohung ebenso fataler- wie fälschlicherweise größer als das wagnis gängigen machtspiel- und kriegsglücks.

also braucht es zeit in situationen wie der gegenwärtigen, die möglichkeiten jenes ach so verkannten, allen aber gleichwohl gut bekannten wagnisses für sich selbst und untereinander so neu in den blick zu nehmen, daß immer mehr menschen vorstellbar wird, wie es anders gehen könnte.  denn wo die vorstellung fehlt, fehlt auch der mut.

wer will, daß beides wächst, muß es sich erarbeiten, und er muß mit anderen teilen, was er sich erarbeitet, es darüber modifizieren und lebensweisen pflegen, die die gangbarkeit gewaltloser wege sichtbar werden lassen.

jedes noch so kleine stückchen weniger gewalttätigkeit in dieser welt macht sie für alle heller  - 

denn nicht unsere aus allerlei machtansprüchen geborenen urteile, wertskalen und rechte machen unsere menschliche würde aus.  lebendig, sprühend in der fülle unserer möglichkeiten bewegen wir alle uns nur dort, wo wir in unbeirrbarer zugewandtheit einander halten, indem wir einander in tiefstem gegenseitigem respekt und mitgefühl wieder und wieder auch loszulassen wagen...

keiner kann anstelle eines anderen etwas tun.  niemand sollte sich deshalb dergleichen anmaßen  -  auch nicht in seiner kritik, und schon gar nicht in dem, was er unternimmt.

unsere welt ist wunderbar gerade dadurch, daß sie so vielfältig ist.  grauenhaft erscheint ihr wirkungsgefüge nur dem, der dem, was ihn und andere quält, machtvoll einhalt gebieten will. 

was quält, lehrt jedoch auf seine weise ebenso unverzichtbar sehen wie das, was beglückt.

es verdient keine bekämpfung.

es ist die unschätzbare und unverzichtbare kraft, die uns mitgegeben ist gegen unsere neigung zu allerlei verhängnisvollen selbstgerechtigkeiten. vermöchten wir alles, was uns und andere quält, so zu sehen, gingen wir alle mit allem und allen suchender und staunender um, voller ehrfurcht auch und gerade vor der qual in den größten irrtümern oder verbrechen, die uns begegnen. 

wir bräuchten nicht länger über andere zu urteilen.  wir könnten frei von allem schielen auf die leistungsbereitschaft anderer unseren anteil an den jeweiligen problemlagen beackern, bedrängnisse auflösen, die von uns ausgehen und die, die uns bedrängen, mit dem zutrauen wie der zumutung entwaffnen, daß auch sie zu lösenden neuansätzen fähig sind  -  wenn nicht heute, dann morgen...

 

soviel im augenblick -

ganz liebe grüße

gabi

 

 


 

 

Drei Viertel aller Misshelligkeiten und Missverständnisse werden aus der Welt verschwinden, wenn wir uns in die Lage unserer Gegner versetzen und ihren Standpunkt verstehen. Wir werden dann entweder sogleich mit ihnen einig werden oder wir werden nachsichtig über sie denken.

 

Standhaftigkeit besteht darin, dass wir uns selbst willentlich etwas auferlegen mit dem Ergebnis, dass wir andere dazu bringen, unsere Sicht aus ihrem eigenen freien Willen anzunehmen.

 

 


 

perspektive:  GEWALTLOSIGKEIT

perspektive:  WELTHANDELS-FAIRNESS...in arbeit

 

 

 

 

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